Börsenmärkte einfach erklärt – So funktioniert der Prime Standard

Von Marcel

Finanzfreak & passionierter Investor

Wir wissen ja schon, das die Börse ein Marktplatz ist auf dem Wertpapiere gehandelt werden. Wie auf Marktplätzen üblich, hat auch die Börse unterschiedliche Bereiche. Im Fachjargon wird hier von Börsenmärkten und -segmenten gesprochen. Das Hauptziel dieser Marktaufteilung ist die Schaffung von Transparenz hinsichtlich Zulassungsvoraussetzungen und Folgepflichten. Denn nicht jedes Unternehmen darf und kann einfach so an die Börse gehen. Für uns Anleger ist das ein wichtiger Aspekt. Denn er sichert uns gewisse Standards zu. Übrigens, wenn du dich schon immer gefragt hast was es mit dem sogenannten Prime Standard auf sich hat, hier die gute Nachricht: auch das klären wir!

Die Börse – ein sicherer Platz für den Wertpapierhandel

Unternehmen können sich über die Börse neues Kapital beschaffen, indem sie zum Beispiel Aktien oder Anleihen ausgeben. Wir Anleger haben über die Börse die Möglichkeit unser Geld in unterschiedliche Wertpapiere zu investieren, um so langfristig Vermögen aufzubauen. Die Sicherstellung eines fairen, transparenten und sicheren Handels ist dabei eine der Hauptaufgaben der Börse. Wir Anleger verlangen völlig zu Recht klare Regeln und Rechtssicherheit. Denn nur wenn Vertrauen in den Kapitalmarkt und seine Akteure vorliegt, investieren wir letztendlich auch unser Geld. Um diesen Anforderungen Rechnung zu tragen, müssen Unternehmen, die über die Börse Wertpapiere ausgeben wollen, bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Börsenmärkte – Zulassungsvoraussetzungen & Folgepflichten

Je nachdem wie hoch oder streng dabei die Voraussetzungen sind und wer diese definiert, kann der Börsenhandel rechtlich in zwei unterschiedliche Märkte aufgeteilt werden. Nämlich einmal in einen regulierten Markt und den sogenannten Freiverkehr. Die Unterschiede liegen dabei in den Zulassungsvoraussetzungen und Folgepflichten. Im Rahmen eines Börsengangs muss ein Unternehmen dann entscheiden, in welchen Markt es aufgenommen werden will. Egal wo eine Firma dann aber gelistet ist, die Marktzugehörigkeit sagt noch nichts über die betriebswirtschaftliche Qualität des Geschäftsmodells aus, also ob es erfolgreich ist oder nicht. Lass uns im Folgenden schauen, wie sich die Zulassungsvoraussetzungen und Folgepflichten für beide Märkte darstellen und was sie unterscheidet.

Der regulierte Markt & Freiverkehr

Der regulierte Markt – Der „organisierte“ Börsenmarkt

Der regulierte Markt ist im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) ein organisierter Markt. Die Regelungen werden vom Gesetzgeber definiert und gehen dabei auf europäisches Recht zurück. Wollen Unternehmen ihre Wertpapiere also hier anbieten, müssen sie ein öffentlich-rechtliches Verfahren durchlaufen. 

Zu den wichtigsten Zulassungsvoraussetzungen gehört eine Unternehmenshistorie von mindestens drei Jahren. Ein gültiger und gebilligter Wertpapierprospekt mit veröffentlichten Jahresabschlüssen der letzten drei Jahre muss ebenfalls vorliegen. Zudem muss die voraussichtliche Marktkapitalisierung mindestens 1,25 Millionen Euro betragen und eine Mindest-Aktienanzahl von 10.000 sichergestellt werden. Anleihen als eine weitere Wertpapierart müssen einen handelbaren Nennwert von mindestens 250.000 Euro erreichen. Darüber hinaus muss bei Aktien ein Streubesitzanteil von mindestens 25 Prozent vorliegen. Zum Streubesitz zählen dabei alle Aktien die dem Börsenhandel zur Verfügung stehen und z.B. nicht von Großaktionären langfristig gehalten werden. 

Unternehmen die am regulierten Markt teilnehmen, haben aber auch Folgepflichten zu erfüllen. Sie fallen nach dem Börsengang regelmäßig an. Zu den Wichtigsten gehören hier die Veröffentlichung eines Halbjahres- sowie Jahresfinanzberichts und die Mitteilungspflicht in Form von Ad-hoc Meldungen. Das heißt, Unternehmen müssen dem Kapitalmarkt all jene Informationen sofort melden, die den Aktienkurs erheblich beeinflussen können. Beispiele sind hier personelle Veränderungen in Vorstand oder Aufsichtsrat aber auch Gewinnwarnungen. In Deutschland können die Folgepflichten dabei in deutscher oder englischer Sprache erfüllt werden. 

Unternehmen im regulierten Markt haben also aufgrund der erfüllten Transparenzanforderung den Vorteil, dass sie insbesondere gegenüber nationalen Investoren an Attraktivität gewinnen. Als Nachteile fallen die erhöhten Kosten und Aufwände für den Börsengang und die Folgeaktivitäten ins Gewicht. 

Der regulierte Markt

Der Prime Standard – Das Börsensegment für höchste Ansprüche

Jede Börse kann über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus auch noch selbst weitere Kriterien und damit Teilmärkte, die sogenannten Segmente, definieren. So gibt es an der Deutschen Börse zum Beispiel den Prime Standard

Um als Unternehmen hier gelistet zu werden, müssen über die Regeln des regulierten Marktes hinaus noch weitere Anforderungen im Bereich der Folgepflichten erfüllt werden. Zum Beispiel müssen, ergänzend zu den Halbjahres- und Jahresfinanzberichten, noch Quartalsberichte veröffentlicht werden. Es muss mindestens eine Analystenveranstaltung pro Jahr geben und ein Unternehmenskalender erstellt und fortlaufend aktualisiert werden. Die Folgepflichten sind dabei in deutscher und in englischer Sprache zu erfüllen. Darüber hinaus müssen Finanzberichte auf Basis internationaler Rechnungslegungsstandards wie zum Beispiel den International Financial Reporting-Standards (IFRS) erstellt werden. 

Da Unternehmen im Prime Standard erhöhte Transparenzanforderungen erfüllen, haben sie den Vorteil einer höheren Reputation und Bekanntheit. Aufgrund der englischsprachigen Kommunikation können sie sich zudem einem internationalen Investorenpublikum präsentieren. Dies bedeutet, ergänzend zum regulierten Markt, aber auch höhere Kosten und Gebühren. 

Der Prime Standard

Der Freiverkehr – Der Börsenmarkt für junge Unternehmen

Der Freiverkehr-Markt ist nach dem Wertpapierhandelsgesetz kein organisierter Markt. Das bedeutet, die Anforderungen für die Aufnahme eines Unternehmens in diesen Markt werden nicht vom Gesetzgeber, sondern von den Börsenbetreibern selbst definiert. Da es sich hierbei um einen privatrechtlichen Markt handelt, gibt es über Börsen hinweg auch keine einheitlichen Regeln. Im Freiverkehr gelistete Firmen gelten gesetzlich deshalb auch nicht als börsennotiert. 

Grundsätzlich ist das Ziel dieses Marktes, wachstumsorientierten, jungen Unternehmen dabei zu helfen, einen leichteren Kapitalzugang zu bekommen. Hierfür werden die hohen Standards und Pflichten für die Aufnahme heruntergesetzt. Gerade jungen Unternehmen oder Start-ups stehen nämlich aufgrund ihrer Größe und Kapitalstärke oftmals nicht die Möglichkeiten zur Verfügung allen Anforderungen des regulierten Marktes nachzukommen. Nachteilig wirkt sich die, im Vergleich zu Unternehmen im regulierten Markt, geringere Reputation aus. Aufgrund des erhöhten Risikos werden hier eher nationale und risikoaffine Anleger angesprochen. Auch wenn zwar geringer, ist die Aufnahme in den Freiverkehr-Markt natürlich auch mit Kosten und Gebühren verbunden. 

Nicht selten finden von den Börsen dann noch weitere Segmentierungen im Freiverkehr statt. So nutzen Börsen ein zusätzliches Segment im Freiverkehr oftmals auch dazu, den Wertpapierhandel von Unternehmen zu ermöglichen, die bereits an anderen Handelsplätzen zugelassen sind.

Freiverkehr

Börsenmärkte und -segmente für mehr Transparenz 

Unterschiedliche Börsenmärkte und -segmente helfen somit Unternehmen, entsprechend ihrer Größe und Finanzstärke, maßgeschneiderte Möglichkeiten der Kapitalaufnahme zu finden. Auf der anderen Seite dient die klare Kennzeichnung und Definition von Märkten und Segmenten aber auch uns als Anleger. Denn je nachdem in welches Unternehmen du investieren willst, weißt du worauf du dich im Sinne der Transparenz einstellen kannst.  

An dieser Stelle sei aber nochmal erwähnt, dass die Zugehörigkeit eines Unternehmens in einem Markt oder Segment noch keine Aussage über dessen wirtschaftliche Entwicklung gibt. Wenn du also in eine Firma investieren willst, solltest du auf jeden Fall eine intensive Analyse der Geschäftszahlen vornehmen und die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells betrachten. Wie du das wissen über Börsenmärkte und -segmente im Rahmen einer Recherche praktisch umsetzen kannst, haben wir in diesem Tutorial einmal gezeigt.

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